Inclusive Leadership: vom Mehrwert der Geschlechtervielfalt in Führungsfragen

Ein kleiner Legoversuch zum Thema Genderdiversität.


von Verena Michl


Zoom Meeting mit 4 Teilnehmern
Zoom Meeting mit 4 Teilnehmern

Der Pandemiesommer diesen Jahres ließ viel Raum für neue Ideen. So kam ich während eines Lego Serios Play Workshops mit meinem Partner im letzten Jahr auf die Idee, eine Versuchsreihe mit LSP zu veranstalten.


Wir dachten, es könne doch möglich sein, in einem Lego Serious Play Prozess den Mehrwert von Vielfalt tatsächlich sichtbar und im wahrsten Sinne des Wortes greifbar zu machen, wenn man in zwei homogenen Geschlechtergruppen jeweils unter geschlechtsidentischer Leitung Modelle zum Thema:


"Welche Aufgabe löst Führung in einer Organisation?"

bauen läßt, um diese zwei Gruppen dann in einem nächsten Versuchsschritt ein gemeinsames Modell bauen läßt.


Unsere Wohnung glich einem kleinen Studio. Aufwendig inszenierten wir die technischen Rahmenbedingungen, um zwei identische Sets zu kreieren, die wir dann in ein großes Set zusammenführten, um wirklich identische Rahmenbedingungen zu schaffen.

  1. Wir durchliefen mit beiden Gruppen den klassischen Lego Lernprozess und ließen sie dann jeweils ein individuelles Modell zum oben genannten Thema bauen,

  2. um in einem nächsten Schritt ein gemeinsames Modell zu kreieren. Hierzu bauten wir als Moderator:innen stellvertretend unter Anleitung der Teilnehmer:innen das gemeinsame Modell in der geschlechtshomogenen Gruppe,

  3. um im darauffolgenden Schritt das gemeinsame Modell in der geschlechtsheterogenen Gruppe zu bauen.

Uns interessierte dabei vor allen Dingen, wie die Diskussion verlaufen würde und wie sich das gemeinsame Verständnis herstellen ließ.


In der Gruppe der rein männlichen Gruppe wurde die Führungsaufgabe stark unter dem Aspekt von Orientierung bieten, Leitplanken setzen und sprichwörtlicher Mitarbeiter:innenführung definiert. Im Vordergrund stand auch der Sicherheitsaspekt für die Mitarbeitenden. Führung löst das Problem der Zielfokussierung und gibt dem Mitarbeitenden die notwendige Ausrichtung. Führung strukturiert.


In der weiblichen Gruppe stand die Organisation als solches stärker im Fokus. Führung sorgt für die Übersetzung und Realisierung der organisationellen Werte, Ziele und Prinzipien und hat die Mitarbeiter:innen im Einklang mit der Ausrichtung der Organisation im Fokus. Führung ist für das Empowerment der Mitarbeitenden verantwortlich und zu deren Schutz. Führung ist auch für die Entwicklung der Einzelnen verantwortlich und für das Bewahren der intrinsischen Motivation. Führung steuert aus.


Die Ergebnisse dürften nicht wirklich überraschen. Interessant wurde es, als beide Gruppen versuchten ein gemeinsames Führungsmodell zu bauen. Sehr schnell waren die Schwachpunkte in beiden Modellen freigelegt, die durch klassische Konfluenz bedingt durch Homogenität entstanden waren. Beide Gruppen hatten nur wenig Zeit, wollten im spielerischen Ehrgeiz performen und kamen daher schnell gemeinsam auf den Punkt.


Während des gemeinsamen Modellbaus beider Gruppen aber brachen die Punkte auf, die in der Monokultur entstanden waren. Der Austausch, der folgte, gab einen Einblick, weswegen Vielfalt Organisationen innovativer, resilienter und damit erfolgreicher werden lässt. Die Aufgabe des gemeinsamen Modellbaus war die gleiche. Aber was am Ende auf der Legoplatte stand, war deutlich fundierter, von Erfolgsprojektionen entschlackt und zeigte die Komplexität und auch paradoxen Spannungsfelder von Führung auf. Sie zeigte auch das, was häufig in der Praxis überrannt wird: dass es nicht das eine Mitarbeiter:innenführungskonzept gibt, sondern dass Führung ein Ausloten zwischen den unterschiedlichen Abteilungslogiken und Mitarbeiter:innenprofilen ist und dass Selbstorganisation sehr stabile Rahmenbedingungen braucht. Es war erstaunlich zu beobachten, wie schnell in der heterogenen Gruppe die Pain-Points des Führungsdilemmas zwischen Selbstorganisation und notwendiger Kontrolle etc. besprechbar wurden. Anstrengender - keine Frage - aber effizienter - auch keine Frage. Wir werden die Versuchreise fortsetzen und sind sehr gespannt, was wir beobachten können, wenn die Gruppen sich dann nicht mehr remote, sondern in Präsenz treffen.